Frankreichs Kurs: weniger Abhängigkeit von US-Software
Die französische Regierung setzt den grössten Vorstoss der letzten Jahre in Gang, um die Abhängigkeit von amerikanischer Software spürbar zu senken. Nachdem das Vorhaben vor wenigen Tagen bekannt wurde, liegen nun weitere Details vor.
DINUM treibt den Wechsel von Microsoft, Google und Apple voran
Auf Initiative der Interministeriellen Direktion Frankreichs für Digitales (DINUM) sollen staatliche Stellen schrittweise von Windows und weiteren Lösungen von Microsoft sowie von Diensten von Google und Apple auf europäische und offene Alternativen umsteigen – einschliesslich Linux.
Umstellung der gesamten digitalen Infrastruktur (inkl. Linux)
Der Plan beschränkt sich nicht auf Arbeitsstationen. Er umfasst die komplette digitale Infrastruktur: von Systemen für Zusammenarbeit und Sicherheit über Datenbanken, KI-Werkzeuge, Virtualisierung bis hin zu Netzwerkhardware. Den Ministerien wurde aufgetragen, bis im Herbst jeweils eigene Roadmaps für den Wechsel auszuarbeiten. Erste Schritte zur Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor sollen bereits im Juni besprochen werden.
Prioritäre Ersatzlösungen: Tchap, Visio und FranceTransfer
Als besonders wichtige Ersatzlösungen nennt man französische und europäische Services. Dazu zählen der Messenger Tchap, die Videolösung Visio sowie die Plattform FranceTransfer für den Dokumentenaustausch.
EU-Initiativen für Office- und Cloud-Alternativen
Parallel entstehen innerhalb der EU eigene Pendants zu Office-Paketen und Cloud-Werkzeugen. Das folgt dem übergeordneten Ziel, digitalen Souveränität mehr Gewicht zu geben und die Abhängigkeit von grossen US-Ökosystemen zu reduzieren.
Beispiele aus Frankreich, Deutschland und internationalen Organisationen
Frankreich hat zuvor Docs vorgestellt – eine Alternative zu Google Docs für kollaboratives Arbeiten und Textverarbeitung, entweder автоном (offline) oder in der Cloud. Die Regierung des deutschen Bundeslands Schleswig-Holstein hat angekündigt, von Microsoft Teams auf LibreOffice umzusteigen, eine Open-Source-Alternative zu Microsoft Office. Im Oktober hat der Internationale Strafgerichtshof den Wechsel zu einem vergleichbaren Paket namens OpenDesk bekannt gegeben. Frankreich hat zudem den Umstieg auf Visio erklärt, und ein europäisches Konsortium hat im letzten Monat einen Fork von OnlyOffice unter dem Namen Euro-Office angekündigt.
Linux gewinnt an Interesse – auch fürs Gaming
Kontroversen rund um Microsoft und andere US-Technologiekonzerne haben das Interesse an Linux zusätzlich verstärkt. Zu den weiterhin gepflegten, bekannten Distributionen zählen Fedora, ParrotOS, Tiny Core Linux, elementary OS und Kali Linux.
Auch die Möglichkeiten fürs Spielen unter Linux haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert: Bazzite und CachyOS können die meisten Windows-Spiele ausführen – häufig sogar mit höherer Leistung.
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