Der scheinbar unantastbare Mercedes-Benz G-Klasse gilt als einer der grössten Marken-Ikonen – doch auch ein Klassiker hat keinen automatischen Verkaufserfolg. Genau das zeigt die 100% elektrische G-Klasse.
Der im April 2024 lancierte Mercedes-Benz G 580 mit vier Elektromotoren (je einer pro Rad) und 473 km Reichweite trifft den Markt bisher nicht wie erhofft. Nach fast einem Jahr im Handel wurden erst 1450 Exemplare ausgeliefert. Im gleichen Zeitraum kam die übrige G-Klasse-Familie auf über 9700 verkaufte Fahrzeuge – also nahezu siebenmal so viele.
Intern fällt das Urteil offenbar deutlich aus. Gegenüber der deutschen Wirtschaftszeitung Handelsblatt sagte ein Mercedes-Benz-Verantwortlicher, der anonym bleiben wollte: „Das Auto steht bei den Händlern; es ist ein kompletter Flop (Misserfolg).“ Ein weiterer Manager meinte, „es ist ein Nischenmodell, mit sehr tiefen Verkaufsvolumen.“
Auch die Preise zeigen, wie der G 580 positioniert ist: In Portugal kostet er 148 400 Euro und ist damit sogar die günstigste Variante innerhalb der G-Klasse. Der Abstand zu G 450 d (Diesel) und G 500 (Benzin) liegt bei rund 30 000 Euro – beide mit Sechszylindermotoren, die mehr Reichweite und höhere Anhängelast bieten. Der G 63 AMG mit V8 beginnt bei 265 850 Euro.
Offenbar suchen viele Käuferinnen und Käufer einer G-Klasse weiterhin das klassische Erlebnis: „Die Leute wollen die echte G-Klasse, mit sechs oder acht Zylindern“, kommentierte ein weiterer Manager der deutschen Marke.
Dazu kommen praktische Einschränkungen gegenüber den anderen Versionen. Mit einem Gewicht von fast 3100 kg bleibt der G 580 zwar noch als leichter Personenwagen klassifizierbar (bis 3500 kg Gesamtgewicht), doch dadurch liegt die Zuladung am Ende kaum über 400 kg. Ausserdem darf er keinen Anhänger ziehen.
Ungewisse Zukunft für den «Little G» der Mercedes-Benz G-Klasse
Weil die Nachfrage hinter den Erwartungen zurückbleibt, bringt der G 580 Mercedes-Benz dazu, die Pläne für den künftigen „Little G“ zu überdenken. Die kompaktere Interpretation der G-Klasse – voraussichtlich auf derselben Plattform wie der neue CLA – ist eher gegen Ende des Jahrzehnts vorgesehen und sollte ursprünglich ausschliesslich elektrisch sein.
Nun könnte der „kleine G“ zusätzlich auch mit Verbrennungsmotoren erscheinen, um den kommerziellen Erfolg abzusichern. Laut Handelsblatt wird diese Option innerhalb der Marke ernsthaft geprüft; die Entwicklungskosten lägen derzeit – so ein Manager – noch auf einem vertretbaren Niveau.
Trotz allem gilt: Der G 580 bleibt eine echte G-Klasse. Wie wir bei Razão Automóvel bereits zeigen konnten, bewältigt er auch mit mehr als drei Tonnen weiterhin die meisten Hindernisse.
Doch die elektrische Umstellung ist – zumindest bei dieser Marken-Ikone – bislang weit davon entfernt, ein Verkaufserfolg zu sein.
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