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Der letzte Citroën 2CV aus Mangualde am 27. Juli 1990 war ein 2CV 6 Charleston

Dunkelroter Citroën 2CV mit Portugals Nummernschild in einem modernen Museum auf glänzendem Boden.

Der letzte der gebauten Citroën 2CV «sprach» … Portugiesisch. Am 27. Juli 1990 um 16:30 Uhr rollte in Mangualde das allerletzte Exemplar des 2CV vom Montageband – eines der prägendsten Modelle der Marke und zugleich eine der grossen Ikonen der Automobilgeschichte.

Damit dieses Ende würdig begangen wurde, fehlte nicht einmal eine Musikgruppe. Sie begleitete den Abschluss einer aussergewöhnlich langen Verkaufslaufbahn, die 1948 begann und in mehr als 5,1 Millionen produzierten Fahrzeugen mündete.

Der letzte Citroën 2CV aus Mangualde

Die Fertigung des 2CV endete schliesslich exklusiv in Portugal: Dort lief die Produktion ab 1988, und Portugal war das 11. Land, in dem der 2CV gebaut wurde.

Produktion in Portugal: das «portugiesische» Feintuning

Obwohl die Produktion erst sehr spät in der Karriere des 2CV zu uns kam, blieb ein Detail in Erinnerung: die als hochwertiger wahrgenommene Ausführung der «portugiesischen» 2CV im Vergleich zu den in Frankreich hergestellten Exemplaren.

Der Grund lag in der zusätzlichen Schalldämmung zwischen Motorraum und Innenraum – die «unseren» verfügten hier über mehr akustische Isolation.

Charleston, der letzte Citroën 2CV

Auch das letzte Fahrzeug aus Mangualde war kein «gewöhnlicher 2CV»: Es handelte sich um einen Citroën 2CV 6 Charleston. Er unterschied sich von anderen 2CV vor allem durch seine zweifarbige Lackierung – mit der Besonderheit, dass die beiden Farbtöne seitlich durch eine charakteristische geschwungene Trennlinie voneinander abgegrenzt wurden.

Dass ausgerechnet ein Charleston den Schlusspunkt setzte, passt zur eigenwilligen Geschichte dieser Variante: Was als spezielle, limitierte Serie begann, entwickelte sich in den 1980er-Jahren – als die Karriere des 2CV bereits spürbar nachliess – zum letzten grossen kommerziellen Erfolg des Modells.

Die Citroën-Präsentation dieser Sonderserie erfolgte am Pariser Autosalon 1980. Neben der markanten Zweifarben-Karosserie (anfangs in Schwarz und Delage-Rot) brachte sie eine weitere wesentliche Änderung zurück: die runden Scheinwerfer.

Zu jener Zeit hatten die regulären 2CV rechteckige Leuchten – die Rückkehr zur runden Form sollte «um die Puristen zufriedenzustellen» erfolgen, wie es in der offiziellen Citroën-Mitteilung hiess.

Ursprünglich wurde der Charleston als Sondermodell angekündigt, limitiert auf 8000 Einheiten. Doch die Resonanz auf diese Ausgabe – sei es wegen der zweifarbigen Karosserie, der spezifischen Innenraumverkleidungen oder der runden Scheinwerfer – war so stark, dass die französische Marke den 2CV 6 Charleston danach ins reguläre Modellprogramm übernahm.

Farben, Details und Ausstattung des 2CV 6 Charleston

Später kamen weitere Farbkombinationen hinzu, zusätzlich zum schwarz-roten Delage-Schema der ersten Sonderserie. Ein Detail der frühen Version: Auch die Scheinwerferkappen waren rot lackiert; bei den späteren Ausführungen waren sie verchromt.

Am seltensten ist die Kombination aus Schwarz und Helios-Gelb (1982–1983). Eine weitere Variante mischt zwei Grautöne – einen helleren (Cormorant) und einen dunkleren.

Technisch und in der Ausstattung basierte der 2CV 6 Charleston auf dem Ausstattungsniveau 2CV 6 Club. Auffällig war dabei das Einspeichen-Lenkrad – ein Hinweis darauf, dass es sich seit 1976 um die Spitzenversion innerhalb der 2CV-Palette handelte.

Im Innenraum setzte er auf spezifische Bezüge aus grauem Stoff sowie eine schwarze Kunststoffleiste. Die limitierte Charleston-Edition besass zusätzlich den Sitzbezug «Pieds de Coq», während spätere Charleston-Modelle graue Polster mit Rautenmuster erhielten.

Zurück in Mangualde: Das als letzter produzierter 2CV gebaute Fahrzeug trug die zweifarbige Karosserie in Grautönen. Diese Einheit wurde schliesslich von Claude Hébert gekauft, der damals Direktor des Werks in Mangualde war.

So kommen in dem eigenwilligen Jahr 2020 zwei Jubiläen zusammen: 30 Jahre seit dem Produktionsende des Citroën 2CV – und dazu noch in Portugal – sowie 40 Jahre seit dem Start des beliebten Charleston.


Über «Der Letzte von…». Die Automobilindustrie erlebt ihre tiefgreifendste Umbruchphase, seit das Automobil … erfunden wurde. Weil sich fortlaufend Wesentliches verändert, soll diese Rubrik helfen, den «Faden» nicht zu verlieren – und den Moment festzuhalten, in dem etwas verschwindet und zur Geschichte wird, um (sehr wahrscheinlich) nie mehr zurückzukehren: in der Branche, bei einer Marke oder sogar bei einem Modell.

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