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Der 9-in-1-Multikocher greift den Airfryer an

Frau kocht gedünstetes Gemüse in einem modernen elektrischen Multikocher in heller Küche.

Ein schickes neues Gerät für die Küchenablage rüttelt am Thron des Airfryers – mit dem Versprechen, gleich einen halben Gerätepark in einem Schwung zu ersetzen.

Ob im Social‑Media‑Feed oder zwischen den Regalen im Supermarkt: Ein Multikocher mit neun Funktionen wird zum jüngsten Objekt von Begeisterung – und genervtem Augenrollen – bei Hobbyköchinnen und Hobbyköchen, die sich fragen, ob schon wieder ein Upgrade fällig ist.

Ein neuer Herausforderer in bereits gadget‑vollen Küchen

In den letzten fünf Jahren hat sich der Airfryer von einer Nischenidee zur Standardausstattung in vielen Küchen in Grossbritannien und den USA entwickelt. Er kommt für alles zum Einsatz – von tiefgekühlten Pommes bis zum ganzen Poulet – oft mit kürzeren Garzeiten und geringerem Energieverbrauch als ein Backofen.

Nun werden Multikocher der neuen Generation als „der nächste Schritt“ positioniert. Diese Geräte vereinen typischerweise Airfryen mit Druckgaren, Slow Cooking, Grillieren und sogar Joghurtzubereitung in einem kantigen Gerät, das fix auf der Arbeitsfläche steht.

„Dieses 9‑in‑1‑Gadget wird als Rundum‑Lösung verkauft, die den Airfryer, den Schnellkochtopf, den Slow Cooker und noch mehr ersetzen könnte.“

Händler bewerben die Geräte besonders stark vor den wärmeren Monaten, wenn viele den grossen Backofen möglichst nicht einschalten möchten. Auf TikTok und Instagram zeigen Influencerinnen und Influencer Vergleichstests nebeneinander – klassische Airfryer gegen Multi‑Funktions‑Konkurrenz.

Neun Gararten in einem einzigen Gerät

Welche Funktionen genau vorhanden sind, hängt von der Marke ab. In der Werbung tauchen jedoch meist dieselben Kern‑Programme auf – häufig als neun Modi beworben:

  • Airfryen
  • Druckgaren
  • Slow Cooking
  • Dampfgaren
  • Anbraten oder scharf anbraten
  • Grillieren oder Überbacken
  • Backen oder Braten
  • Aufwärmen
  • Dörren oder Joghurt

Der Reiz liegt auf der Hand: Ein Gerät übernimmt Aufgaben, für die sonst mehrere sperrige Küchenhelfer herumstehen. Gerade in einer kleinen Wohnung oder in einer Studentenküche kann es sehr verlockend sein, neun Jobs in einer einzigen Box zu bündeln.

„Befürworter sagen, es gehe weniger um Trendrezepte als darum, in kleinen Haushalten Platz, Zeit und Energie zurückzugewinnen.“

Hersteller versprechen kürzere Garzeiten, tiefere Energiekosten im Vergleich zum Backofen und bessere Ergebnisse bei zäheren Fleischstücken, mit denen normale Airfryer eher Mühe haben. Besonders die Druckgar‑Funktion soll Bohnen, Eintöpfe und Currys in weniger als einer Stunde zart machen.

Warum manche Hobbyköche jubeln

Fans des neuen Geräts sehen darin den logischen nächsten Schritt für moderne Küchen. Viele erzählen, sie hätten bereits Slow Cooker und Reiskocher ersetzt – und überlegen nun, den Airfryer in den Brockenhaus‑Kanal oder auf eine Online‑Plattform weiterzugeben.

Als wichtigste Pluspunkte nennen Befürworterinnen und Befürworter unter anderem:

Wahrgenommener Vorteil Was Nutzer sagen
Platzersparnis Ein Gerät auf der Arbeitsfläche statt drei oder vier einzelnen Geräten.
Vielseitigkeit Einen Eintopf unter Druck garen, danach Pommes airfryen, danach einen Kuchen backen – alles im selben Topf.
Energieverbrauch Kleinere Garraum‑Grösse als ein Backofen, daher weniger Wärmeverlust bei kleinen Portionen.
Tempo Der Druckmodus gart getrocknete Hülsenfrüchte und zähere Stücke deutlich schneller als Köcheln auf dem Kochfeld.

Eltern mit vollen Terminkalendern berichten, dass sie am Wochenende in grösseren Mengen vorkochen – mit Druck‑ und Slow‑Cook‑Programmen – und unter der Woche die Airfry‑Einstellung nutzen, um Reste wieder knusprig aufzuwärmen.

Und warum andere nur die Augen verdrehen

Nicht alle sind überzeugt. Auf jede überschwängliche Bewertung folgt ein müder Beitrag, der fragt, ob wirklich noch eine weitere Steckdosen‑Kiste auf der Arbeitsfläche nötig ist.

„Kritiker sehen die 9‑in‑1‑Maschine als das jüngste Beispiel einer langen Reihe überhypter Gadgets, die am Ende nur Staub ansetzen.“

Einige sagen, sie hätten bereits einen guten Backofen, einen soliden Airfryer und vielleicht noch einen Slow Cooker – und erkennen kaum einen Mehrwert darin, alles in ein komplexeres Gerät zu packen. Andere sorgen sich vor allem um:

  • die Umgewöhnung bei neun unterschiedlichen Programmen und Einstellungen
  • klobige Designs, die sich schlecht herumtragen oder verstauen lassen
  • höhere Preise als bei eigenständigen Airfryern
  • die Abhängigkeit von einem einzigen Gerät – geht es kaputt, fallen gleich mehrere Funktionen weg

Dazu kommt ein praktischer Punkt: Multikocher arbeiten häufig mit einem tiefen, hohen Topf. Das kann das Bräunen, Wenden oder Kontrollieren des Garguts umständlicher machen als auf einem flachen Blech im klassischen Airfryer oder im Ofen.

Social‑Media‑Druck trifft auf den Küchenalltag

Ein Teil der Spaltung hat mit der Geschwindigkeit zu tun, mit der Küchentrends heute wechseln. Rezept‑Creator auf TikTok präsentieren laufend „Must‑have“-Methoden, die auf das neueste Gerät setzen. Einen Monat ist es der klassische Airfryer, im nächsten ist es ein Multikocher, der „Restaurant‑Rippchen“ in 30 Minuten verspricht.

Dieses dauernde Drehen kann normale Käuferinnen und Käufer misstrauisch machen. Viele erinnern sich an den Brotbackautomaten‑Hype, den Entsafter‑Boom und die kurze Spiralizer‑Besessenheit. Jedes Mal folgte auf die Euphorie eine Welle von Secondhand‑Angeboten.

„Für manche steht der 9‑in‑1‑Kocher für beides zugleich: Bequemlichkeit und Konsum‑Müdigkeit – beeindruckende Technik, aber wieder eine Entscheidung mehr.“

In Online‑Foren schreiben Leute, sie seien hin‑ und hergerissen: Einerseits möchten sie schneller und günstiger kochen, andererseits nicht in einem Kreislauf aus endlosen Upgrades landen. Der Ausdruck „tschüss Airfryer“ taucht immer wieder auf – mal als Scherz, mal aus echtem Frust darüber, dass der Kauf vom letzten Jahr plötzlich als „überholt“ dargestellt wird.

Energiepreise, wenig Platz und veränderte Kochgewohnheiten

Hinter dem Marketing stehen echte Veränderungen im Kochalltag. Höhere Energiekosten in Grossbritannien und den USA bringen viele Haushalte dazu, den grossen Ofen nicht für nur ein Blech Essen laufen zu lassen.

Mietende und Eigentümerinnen in kleineren Objekten haben zudem oft keine grosszügigen Küchen. Ein einzelner Multikocher, der Reis, Eintöpfe, Sonntagsbraten und Pommes unter der Woche schafft, wirkt wie ein praktischer Kompromiss, wenn die Arbeitsfläche begrenzt ist.

Gleichzeitig kochen mehr Menschen mit Tiefkühlprodukten oder vorgekochten Portionen, statt jeden Abend komplett frisch zu starten. Multikocher mit Aufwärm‑, Dampf‑ und Air‑Crisp‑Funktionen passen gut dazu: Reste lassen sich damit oft mit besserer Textur auffrischen, als es eine Mikrowelle normalerweise schafft.

Was man abwägen sollte, bevor man „tschüss Airfryer“ sagt

Wer von der 9‑in‑1‑Werbung angesprochen wird, kommt mit ein paar einfachen Fragen oft schnell weiter:

  • Wie oft nutzt du Airfryer, Backofen und Slow Cooker heute tatsächlich?
  • Brauchst du Druckgaren oder Dampfgaren wirklich – oder wären das eher Spielerei‑Funktionen?
  • Gibt es Platz, damit das Gerät dauerhaft draussen stehen kann, oder musst du es ständig aus einem Schrank heben?
  • Lassen sich Ersatzteile und Dichtungen auch in ein paar Jahren noch problemlos kaufen?

Ein kleiner Haushalt, der einfache Mahlzeiten zubereitet, ist mit einem Basic‑Airfryer und einem Kochfeld möglicherweise weiterhin bestens bedient. Eine grössere Familie, die mehrmals pro Woche Eintöpfe, Currys und Ofengerichte kocht, profitiert unter Umständen stärker von zusätzlichem Volumen und den verschiedenen Modi.

Begriffe entwirren: Airfryen und Druckgaren

Zwei Begriffe dominieren die Diskussion: Airfryen und Druckgaren. Beides klingt oft technischer, als es in der Praxis ist.

„Airfryen“ ist meist nichts anderes als ein leistungsstarker Heissluftofen im Kleinformat, der in einem kompakten Garraum sehr heisse Luft zirkulieren lässt. Diese Intensität sorgt für eine Bräunung, die ans Frittieren erinnert – mit deutlich weniger Öl. Pommes, paniertes Poulet und Gemüse profitieren in der Regel besonders.

„Druckgaren“ bedeutet, dass Dampf in einem dicht verschlossenen Topf eingeschlossen wird, wodurch die Temperatur über den normalen Siedepunkt von Wasser steigt. Diese höhere Hitze beschleunigt das Garen vor allem bei dichten Zutaten wie Bohnen, Linsen und zähen Fleischstücken. Das kann Zeit sowie Gas oder Strom sparen – setzt aber etwas Sicherheit im Umgang mit Deckel, Ventilen und Druckablass‑Einstellungen voraus.

Praktische Beispiele: Wer profitiert wirklich von neun Funktionen?

Nehmen wir eine Studentin in einer WG. Sie nutzt vielleicht Airfryen und Aufwärmen täglich, rührt aber Slow‑Cook‑ oder Joghurt‑Programme kaum an. Für sie kann ein kleinerer, günstigerer Airfryer sinnvoller bleiben als ein grösserer, teurerer Multikocher.

Und nun eine vierköpfige Familie in einem Einfamilienhaus: Am Wochenende wird eine grosse Portion Chili unter Druck gegart, danach ein Stück Rindfleisch im Slow‑Cook‑Modus. Unter der Woche werden Reste aufgewärmt und mit dem Airfry‑Deckel wieder knusprig gemacht. In so einem Fall kann die 9‑in‑1‑Maschine tatsächlich mehrere Einzelgeräte ersetzen und den Energieverbrauch über die Zeit senken.

Es gibt allerdings auch Schattenseiten. Zu viele Funktionen können Entscheidungsstress auslösen. Wenn neun Tasten und mehrere Deckel‑Aufsätze zur Auswahl stehen, bleiben manche bei den zwei oder drei vertrauten Modi – und der Rest wird ignoriert. Andere bleiben aus Gewohnheit beim Backofen und beim Kochfeld, wodurch wieder ein weiteres Gerät ungenutzt herumsteht.

Auf der positiven Seite können Multi‑Funktions‑Kocher zum Ausprobieren motivieren. Ein Druck‑Dampf‑Programm könnte jemanden dazu bringen, getrocknete Bohnen statt Dosenware zu verwenden und so Verpackung zu sparen. Eine Dörr‑Funktion kann hausgemachte Snacks anstossen, statt zu abgepackten Chips zu greifen. Solche kleinen Veränderungen – oft wiederholt – prägen langfristig, wie Menschen essen und einkaufen.

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