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Die wahre Geschichte des Ferrari 365 GT4 Berlinetta Boxer: BB und Brigitte Bardot

Roter Ferrari 365 GT4 BB Oldtimer in einem Showroom mit glänzendem Boden und weiteren Sportwagen im Hintergrund.

Der Ferrari 365 GT4 Berlinetta Boxer, der 1971 am Turiner Autosalon (wo sonst?) vorgestellt wurde, schlug ein wie eine Bombe. Viele zählen ihn bis heute zu den schönsten Ferrari überhaupt – und er war zugleich das erste Strassenmodell aus Maranello mit einem 12-Zylinder in zentraler Heckmotor-Position.

Ich höre schon die Rufe aus dem Hintergrund: Dino. Doch auch wenn dessen Motor ebenfalls zentral hinten sass, war es weder ein 12-Zylinder, noch wurde er ursprünglich als Ferrari geboren. Diesen Status erhielt der Dino erst Jahrzehnte später.

So revolutionär dieses Ferrari-Konzept war: Sein Name wollte trotzdem nicht so recht passen. Denn obwohl er Berlinetta Boxer (oder kurz BB) hiess, war er streng genommen weder das eine noch das andere.

Wie bitte nicht?

Erstens: Mit Mittelmotor im Heck war er nach damaligem Ferrari-Verständnis keine Berlinetta – bis dahin bezeichnete der Begriff ausschliesslich Modelle mit Frontmotor. Erst später, in den 90er-Jahren, wurde die Bezeichnung auch bei Mittelmotor-Ferrari verwendet, etwa beim F355.

Zweitens: Obwohl die Zylinder einander gegenüberliegen, ist der Motor im Ferrari kein echter Boxer. Es handelt sich um einen flat-12, dessen Arbeitsweise jener der übrigen V12 der Marke entspricht – ja, da gibt es Unterschiede…

Weshalb also Berlinetta Boxer oder einfach BB?

Eine „klammheimliche“ Hommage

Wie es scheint, steckt hinter BB eine ganz andere Bedeutung als die gängige Erklärung – und sie hat mit einer… Frau zu tun. BB war als Verbeugung vor einer weiblichen Ikone der Epoche gedacht, in der dieses Auto das Licht der Welt erblickte: der französischen Schauspielerin Brigitte Bardot.

Falls Ihnen Brigitte Bardot nichts sagt: Die 1934 geborene Französin galt in den 50er-, 60er- und 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts als einer der grossen Sex-Symbols ihrer Zeit. Für eine ganze Generation wurde sie zum Crush – auch für die Designer bei Ferrari, wie man sich vorstellen kann.

Leonardo Fioravanti, damals Designer bei Pininfarina und verantwortlich für Ferrari-Klassiker wie den Ferrari Daytona oder den 250 LM, schilderte im Interview mit dem britischen Magazin The Road Rat, wie der 365 GT4 BB letztlich eine diskrete Hommage an die ikonische Französin in sich trug.

Die Geschichte hinter dem Namen

Angefangen habe alles in dem Moment, als das Team den ersten Prototyp in Originalgrösse zu Gesicht bekam. Die Reaktion sei spontan gewesen: „Wow… das ist richtig gut. Das ist sehr schön! Sehr… wohlgeformt.“ Wie Fioravanti erzählt, sei die gedankliche Verbindung zwischen den Kurven des Prototyps und Brigitte Bardot sofort da gewesen – und im Team rasch Konsens.

Von da an bis zur Lancierung lief das Auto intern schlicht unter BB, also Brigitte Bardot. Als es dann um den Verkaufsnamen ging, konnte man das Modell natürlich nicht nach der Schauspielerin benennen. Fioravanti erinnert sich: „Ein Genie bei Ferrari erfand dann ‘Berlinetta Boxer’.“

„Es hat zwar damit zu tun, ist aber falsch, denn Berlinetta bedeutet Frontmotor. Und Boxer? Es ist kein Boxer, sondern ein flat-12.“

Leonardo Fioravanti

So wurde aus dem neuen Ferrari-Supersportwagen offiziell der 365 GT4 Berlinetta Boxer – und nicht Brigitte Bardot.

Die Buchstaben BB blieben auch beim Nachfolger des 365 GT4 erhalten, also beim BB 512 und BB 512i, und verschwanden erst mit dem Testarossa von 1984.

Interessant nebenbei: Fioravanti gab zu, dass ihn bei jedem Auto, das er entworfen habe, eine weibliche Muse inspiriert habe. Welche Modelle das waren, verriet der heute 80-Jährige jedoch nicht: „Welche Autos? Welche Namen? Das ist mein Geheimnis.“ Ob sich unter den Modellnamen aus Maranello noch weitere versteckte Hommagen verbergen?

Quellen: The Road Rat und Road & Track.

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