Über Jahrzehnte hinweg behandelte Ferrari seinen melodischen V12 fast wie eine Religion: Er war das Herz grosser Ikonen wie des 812 und des 12Cilindri, der Klang, der Generationen erzittern liess, und für Puristen oft das letzte, entscheidende Argument. Umso grösser war der Moment, als Ferrari beim neuen Ferrari F80 den Schleier lüftete – und kaum jemand mit dem „Schock“ rechnete: V6-Motor. Turbo. Hybridsystem.
Der Ferrari F80 und der Abschied vom klassischen V12-Reflex
Dabei ging es nicht um ein vorsichtiges Downsizing, sondern um einen klaren Schnitt mit der bisherigen Erwartungshaltung. In Maranello betont man sogar, dass die Entscheidung „einfach“ gewesen sei.
Warum Ferrari auf den 3,0‑l‑V6 setzt: 499P als Ausgangspunkt
Matteo Turconi, verantwortlich für das Produktmarketing, erklärte sehr offen, weshalb diese Lösung intern als die beste galt: „Wir fragten uns, ob wir den ikonischsten Motor unserer Geschichte oder den besten aus dem Rennsport nutzen sollten, um reine Performance zu erreichen. Die Antwort war am Ende einfach.“
So entstand ein 3,0‑l‑V6, der sich am 499P orientiert – jenem Auto, das die 24 Stunden von Le Mans drei Jahre in Folge gewonnen hat.
Technikfolgen, Marktreaktion und Ausblick auf V12, V8 und Elektrifizierung
Entsprechend ist schnell klar: Das ist kein beliebiger V6. Dieser Motorblock erreicht eine spezifische Leistung von 300 PS/l – der höchste Wert, den es bislang in einem Ferrari für die Strasse gab. Weil das Aggregat kompakter ausfällt, konnte Ferrari den F80 mit kürzerem Radstand entwickeln: leichter, und mit deutlich aggressiverer Aerodynamik. Ferrari nennt den V6 dennoch „den grossen Motor“, obwohl er nur halb so viele Zylinder hat.
Unterm Strich kommt der spirituelle Nachfolger des LaFerrari – und damit einer der emotionalsten Linien der italienischen Marke – mit einem Antrieb, den kaum jemand erwartet hatte. Ferrari hält dagegen, der neue Aufbau sei „dem V12 überlegen“ in allem, was wirklich zählt. Der Markt scheint diese Sicht zu teilen: Alle 799 Exemplare sind bereits verkauft.
Gleichzeitig gibt es Stimmen, die skeptisch reagieren. In Maranello weiss man, dass man damit einen empfindlichen Nerv trifft, und erinnert daran, dass es auch Verwunderung gab, als der 288 GTO und der F40 mit V8-Motoren auf den Markt kamen – heute wagt das niemand mehr infrage zu stellen.
Die Entscheidung bedeutet laut Ferrari jedoch nicht das Ende der grossen Motoren. Im Gegenteil: Man wolle weiter in V12 und V8 investieren, und auch 2030 sollen noch 40% der Modellpalette über einen Verbrennungsmotor verfügen. Weitere 40% sind als Hybrid vorgesehen, die verbleibenden 20% sollen vollständig elektrisch sein.
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