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Nuklearantrieb für den nächsten PLAN-Flugzeugträger: Hinweise auf Typ 004

Zwei Arbeiter mit Helm inspizieren vor grossem Schiff im Trockendock einen Bauplan und die Schiffskonstruktion.

Die Option, dass die Marine der chinesischen Volksbefreiungsarmee (PLAN) ihren nächsten Flugzeugträger mit einem nuklearen Antrieb ausrüstet, rückt erneut in den Fokus. Fachleute gehen davon aus, dass China bei künftigen Hauptkampfschiffen auf diese Antriebstechnologie zusteuern könnte – während die wachsende Überwasserflotte ihre Präsenz im Pazifik weiter ausbaut.

Nach Angaben des Pentagons verfügt die Volksrepublik China derzeit über die zahlenmässig grösste Marine der Welt: mehr als 370 Schiffe und U-Boote. Darunter befinden sich drei Flugzeugträger, die alle konventionell angetrieben werden. Der jüngste davon, der Typ 003 Fujian, wurde im November in einer Zeremonie unter dem Vorsitz von Xi Jinping in Dienst gestellt – im Einklang mit dem erklärten Ziel, Streitkräfte von „Weltklasse“ aufzubauen.

Im Unterschied zu den USA, die elf nuklear angetriebene Flugzeugträger betreiben, müssen Chinas Träger regelmässig Treibstoff aufnehmen. Das schränkt Reichweite, Beweglichkeit und Durchhaltefähigkeit ein. US-Flugzeugträger hingegen brauchen während ihrer gesamten Lebensdauer – die auf 50 Jahre veranschlagt wird – im Grundsatz nur eine Reaktor-Neubeladung.

Strategische Projektion der PLAN

Für Peking hat sich die Rolle von Flugzeugträgern als Plattformen zur maritimen Machtausübung stark aufgewertet. In den letzten Monaten nahm die Frequenz von Einsätzen zu, darunter auch eine Doppeloperation im Westpazifik, die eine wachsende Fähigkeit zeigte, über die unmittelbaren eigenen Gewässer hinaus Wirkung zu entfalten.

So führten Ende Juni dieses Jahres die Flugzeugträger Liaoning (CV-16) und Shandong (CV-17) eine Reihe von Übungen durch, darunter auch Simulationen gegenseitiger Gefechte. Diese Aktivitäten waren Teil des jüngsten Einsatzes beider Einheiten im Westpazifik. Auffällig ist zudem, dass das Manöver – mit einem grossen Aufgebot an Kampfflugzeugen und Personal – direkt nach dem Abschluss weiterer Übungen mit denselben Schiffen stattfand.

Darüber hinaus fand eine dieser Übungen ausserhalb der „ersten Inselkette“ statt. Wie der Sprecher der Institution, Fregattenkapitän Wang Xuemeng, erklärte, sollte damit geprüft werden, ob beide Schiffe in entfernten Seegebieten operieren können und wie sie sich in gemeinsamen Operationen bewähren.

Als weiteres Beispiel für die intensiven und regelmässigen Hochseeübungen chinesischer Flugzeugträger in der Region gilt der September 2024: Damals entsandte China erstmals alle drei Flugzeugträger gleichzeitig – Liaoning, Shandong und den Fujian (zu diesem Zeitpunkt noch nicht offiziell in Dienst gestellt).

Vor dem Hintergrund dieser dauerhaften Präsenz und der demonstrativen militärischen Stärke Pekings erklärte Liu Pengyu, Sprecher der chinesischen Botschaft in Washington: „Die künftige Entwicklung der chinesischen Flugzeugträger wird ganzheitlich auf Grundlage der Erfordernisse der Landesverteidigung beurteilt“, und ergänzte, die Verteidigungspolitik des Landes bleibe „defensiv“.

Der Analyst Kitsch Liao vom Atlantic Council erläuterte hingegen, dass – falls China beabsichtige, die militärische Einflussnahme der USA über Ostasien hinaus herauszufordern – „nuklear angetriebene Flugzeugträger ein wichtiges Puzzleteil wären“. Gleichzeitig betonte er, China müsse zuerst eine konventionelle Trägerstreitmacht festigen, die östlich von Taiwan eine „kohärente“ Präsenz aufrechterhalten kann.

Im Fall eines Konflikts um die Insel könnte eine chinesische Flugzeugträgerpräsenz im Philippinischen Meer eine US-Intervention erheblich erschweren.

Collin Koh vom Institute of Defense and Strategic Studies in Singapur sagte, der Schwerpunkt der chinesischen Marine habe sich in Richtung Projektion in „ferne Meere“ verschoben; ein nuklearer Antrieb passe deshalb zu dieser Ausrichtung. Zusätzlich würden elektromagnetische Katapulte – mit hohem Energiebedarf – den Bedarf an anhaltender Leistung weiter unterstreichen.

Weshalb bezeichnet Collin Koh den nuklearen Antrieb als „kohärent“, während Kitsch Liao darauf verweist, dass zunächst die „konventionelle Stärke“ konsolidiert werden müsse? Eine mögliche Erklärung liegt in den Hyperschallraketen, die China entwickelt und produziert. Demnach könnten sich die drei derzeit einsatzfähigen Flugzeugträger auf den Raum bis zur ersten Inselkette konzentrieren und – zusammen mit an der Küste stationierten Raketen – die rückwärtige Absicherung übernehmen, während künftige nuklear angetriebene Flugzeugträger gezielt für Operationen jenseits der ersten Inselkette vorgesehen wären.

Chinas Technologie hat in den letzten Jahren sehr schnell aufgeholt. Die Flugzeugträger Liaoning und Shandong basieren auf einem sowjetischen Entwurf (Admiral Kusnezow), wurden jedoch für heutige chinesische Anforderungen modernisiert. Danach begann Peking, einen eigenen Flugzeugträger zu entwerfen: Daraus entstand der Fujian, der nicht nur zu 100% chinesisches Design ist, sondern bereits über elektromagnetische Katapulte verfügt.

Vor diesem Hintergrund wäre es nicht überraschend, wenn der nächste Schritt im Entwurf, in der Entwicklung und in der Produktion von nuklear angetriebenen Flugzeugträgern bestünde.

Herausforderungen beim nuklearen Antrieb

Obwohl ein nuklearer Antrieb eine dauerhafte Energieversorgung für hochintensive Operationen ermöglicht, gilt er nicht bei allen Beobachtern als ausschlaggebend. Ein chinesischer Militärobserver merkte an, „die logistische Unterstützung, die eine globale Marine benötigt, übersteigt die Treibstoffanforderungen des Flugzeugträgers bei Weitem“. Er wies zudem darauf hin, dass Begleitschiffe, bordgestützte Flugzeuge und Helikopter weiterhin grosse Mengen konventionellen Treibstoffs benötigen würden.

Trotz der wachsenden militärischen Präsenz Chinas im Indo-Pazifik verfügt Peking noch nicht über ein Logistiknetz, das mit jenem der USA vergleichbar wäre. Die US Navy kann in verbündeten Gebieten auftanken und dadurch über lange Zeiträume hinweg Operationen aufrechterhalten.

China stützt sich im Ausland im Wesentlichen auf die Unterstützungsbasis der Volksbefreiungsarmee in Dschibuti (Horn von Afrika) – die einzige chinesische Auslandsbasis mit einem Hafen, der sowohl Schiffe als auch die eingeschifften Fahrzeuge versorgen kann (die Marinebasis Ream in Kambodscha ist kein chinesischer Besitz; sie wurde lediglich von Peking finanziert, das mit dem Land ein Verteidigungsabkommen hat). Wenn China langfristig auf den Weltmeeren mit den USA konkurrieren will, ist klar: Neben dem Bau nuklearer Flugzeugträger müsste es parallel auch Stützpunkte an weiteren strategischen Orten entwickeln – einschliesslich Tiefwasserhäfen.

Collin Koh warnte, die Integration von Nuklearreaktoren in Flugzeugträger würde technische und sicherheitsrelevante Herausforderungen mit sich bringen, da China eine solche Technologie erstmals auf einem grossen Überwasserschiff installieren würde. Liao ergänzte, auch die Ausbildung von Spezialpersonal sei eine Hürde: China betreibe 12 Atom-U-Boote, eine geringe Zahl im Vergleich zu den USA und Russland, was sich auf das Training künftiger Besatzungen auswirken würde.

Fortschritte beim Typ 004?

Eine offizielle Mitteilung aus Peking gibt es zwar nicht, doch seit Juli 2024 deutete die Zona Militar bereits an, China könnte an seinem vierten Flugzeugträger arbeiten. Im Jahr 2025 rückten insbesondere im Februar veröffentlichte Satellitenbilder in den Vordergrund, die mögliche Hinweise auf Fertigung, Merkmale und Fähigkeiten zeigten.

Später, im Oktober, wurden weitere (ebenfalls inoffizielle) Bilder publiziert, ohne dass sich konkrete Details der Struktur eindeutig bestimmen liessen. Dennoch gehen Analysten davon aus, dass das Aktivitätstempo in dem Gebiet auf einen kontinuierlichen Baufortschritt hindeutet – bei dem, was zur nächsten grossen Einheit der chinesischen Flotte werden könnte.

Schluss

Auch wenn China bislang keine offiziellen Informationen über den Bau eines vierten Flugzeugträgers veröffentlicht hat – und erst recht nicht darüber, ob dieser nuklear angetrieben wäre –, sollte man festhalten, dass diese Möglichkeit keineswegs abwegig ist. Seit der heutige Präsident Xi Jinping 2014 das Amt übernahm, hat sich Chinas Aussenpolitik tiefgreifend verändert. Zuvor folgte man dem Konzept „KLP“ (Keep a Low Profile – ein tiefes Profil wahren); seither hat Peking jedoch Ambitionen erkennen lassen, zunächst regionale Hegemonie anzustreben und möglicherweise auch die globale Vormachtstellung der USA herauszufordern.

Bilder sind rein illustrativ.

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