Smart war noch nie so gross, so leistungsstark – und so teuer. Die Marke, die uns Ende der 1990er-Jahre ein Auto mit gerade einmal 2,5 Metern Länge brachte, hat sich grundlegend weiterentwickelt und greift heute die Premium-Segmente mit einem Produktportfolio an, das mit den früheren Modellen kaum noch etwas gemein hat.
Der Strategiewechsel wurde in den letzten Jahren Schritt für Schritt sichtbar: 2022 kam der #1, ein B-SUV, der Plattform und technische Lösungen mit dem Volvo EX30 teilt. 2024 folgte der #3, ein coupé-inspirierter Crossover fürs C-Segment. Jetzt geht Smart noch eine Stufe höher und zeigt den #5: ein 4,7 Meter langer SUV, der in China bereits verkauft wird.
Innerhalb der deutschen Marke ist dieses Modell eine ganze Reihe von Premieren zugleich: Smart hat nie ein grösseres, stärkeres, schwereres oder teureres Fahrzeug gebaut. Vor allem aber steht der #5 sinnbildlich für das Gegenteil dessen, wofür Smart bei der Gründung 1994 ursprünglich stand.
Was als Nischenmarke gedacht war, um urbane Mobilität möglichst effizient abzudecken, besetzt heute jene drei Segmente, die im europäischen Markt am stärksten nachgefragt werden.
Der Preis für diese neue Breite: Wo Smart früher fast ohne echte Konkurrenz unterwegs war, trifft die Marke nun auf Dutzende Hersteller. Der #5 illustriert das besonders deutlich, denn er landet in einem Revier, das bislang stark vom Tesla Model Y geprägt wurde.
Zurück zu den Smart-Wurzeln?
Trotz des Aufstiegs in B-, C- und D-Segmente will Smart das Thema Citycar nicht aus den Augen verlieren. Entsprechend könnte wieder ein Modell kommen, das jene Kundschaft abholt, die den fortwo bis heute zu einem der gefragtesten Angebote im Occasionsmarkt macht.
Genau das erklärte Dirk Adelmann, CEO von Smart Europe, im Gespräch am Rande der Pressevorstellung des neuen Smart #5 in Stuttgart (Deutschland).
„Aktuell sind wir in den Segmenten B, C und D vertreten. Damit ist für uns noch ein Segment offen, nämlich Segment A, in dem wir bis Mitte letzten Jahres extrem erfolgreich waren“, sagte der Smart-Chef für Europa – und legte sich dann mit einer Zusage fest:
„Wenn wir mit einem Zweisitzer zurückkommen (…) wird es ein echter Smart sein, eine einzigartige Lösung, und er wird nicht retro sein. Das ist ein Versprechen.“
Dirk Adelmann, CEO von smart Europe
Adelmann betonte zudem, dass Smart sich dabei nicht an früheren Rezepten orientiere: „Wir schauen generell nicht zurück, sondern auf das Nächste, was die Kundinnen und Kunden in diesem Segment von uns erwarten“, sagte er – und machte gleichzeitig klar, wie die Marke einen möglichen Schritt zurück ins Segment A grundsätzlich versteht:
„Wenn wir uns entscheiden, einen Nachfolger (des smart fortwo) oder einen neuen Zweisitzer zu bringen, wird es ein echter Smart sein, mit einer anständigen Reichweite und zu 100% elektrisch, das ist garantiert.“
Auch wenn die Leitplanken für ein solches Projekt offenbar stehen, unterstrich Adelmann mehrfach, dass noch keine Entscheidung über einen möglichen fortwo-Nachfolger gefallen ist. Dennoch könnte es schneller Neuigkeiten geben, als man vermuten würde:
„Es ist noch nicht entschieden, aber ich bin optimistisch, dass wir noch dieses Jahr etwas zu kommunizieren haben.“
Zur Erinnerung: Bereits im letzten Jahr hatte Adelmann gegenüber Automotive News Europe erklärt, dass für einen fortwo-Nachfolger eine neue Plattform nötig sei. Sie müsse ein Fahrzeug mit bis zu 2,8 m Länge ermöglichen, gleichzeitig sämtliche aktuellen Sicherheitsnormen erfüllen und zudem den Qualitätsanspruch abdecken, den man von einem Modell der deutschen Marke erwartet.
Smart habe verschiedene am Markt verfügbare Plattformen geprüft, die diese Vorgaben erfüllen könnten. Laut Adelmann – erneut zitiert von Automotive News Europe – sei jedoch „keine gefunden“ worden.
Der Ausweg wäre demnach eine komplette Neuentwicklung: „Wir haben bereits damit begonnen, an einer neuen, dedizierten Plattform zu arbeiten, die als Basis für einen zukünftigen Smart-Zweisitzer für die Stadt dienen soll, aber wir brauchen Partner, um diese Investition wirtschaftlich tragfähig zu machen“, sagte er 2024 gegenüber Automotive News Europe.
Allianz mit Renault in Planung?
Auf unsere Frage, ob ein solcher Investitionspartner erneut Renault sein könnte – die letzte Generation von fortwo und forfour wurde gemeinsam mit dem Twingo entwickelt, und Renault bereitet gerade einen neuen, ausschliesslich elektrischen Twingo vor –, antwortete Dirk Adelmann eindeutig.
„Wir arbeiten seit zwei Jahren an diesem Projekt. Das war natürlich einer der Blickwinkel, den wir geprüft haben, aber im Moment kann ich das ausschliessen. Und das ist ein Teil des Problems in diesem Segment: Wenn wir es allein machen, müssen wir eine Plattform entwickeln, die es nicht gibt“, sagte er.
„Wenn wir einen tragfähigen Business Case wollen (ein Auto zu einem wettbewerbsfähigen Preis), ist das extrem schwierig. Darum ist aktuell niemand wirklich aktiv in dem Teil des Segment A, in dem wir sein wollen“, erklärte er.
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