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Von Portugal nach Dax: Warum europäische Rentner an die französische Atlantikküste zurückkehren

Älteres Paar sitzt auf Balkon, blickt auf Stadt Dax, auf Tisch Landkarte, Broschüre und Kaffeetasse, Rollkoffer daneben.

Über Jahre hinweg war Portugal das Sehnsuchtsziel vieler europäischer Rentnerinnen und Rentner.

Inzwischen wandert der Blick unerwartet zurück – zu einer kleineren Stadt an der französischen Atlantikküste.

Zahlreiche Seniorinnen und Senioren, die ihren Lebensabend ursprünglich unter Portugals Sonne geplant hatten, stellen ihre Rechnung neu auf. Höhere Immobilienpreise, der Wegfall steuerlicher Vorteile und Fragezeichen bei der künftigen Lebensqualität bringen viele dazu, nach Alternativen zu suchen. Besonders eine Stadt im Südwesten Frankreichs rückt dabei ins Zentrum: Dax, eine traditionsreiche Kurstadt im Département Landes.

Vom Steuerparadies zurück an die Atlantikküste

Während mehr als zehn Jahren zog Portugal tausende europäische Ruheständler mit einem aussergewöhnlich günstigen Steuermodell an. Der Status des sogenannten „nicht ortsansässigen Steuerpflichtigen“ ermöglichte es vielen, ihre Rente beinahe steuerfrei zu beziehen. Wer damals eine Wohnung in der Sonne suchte, fand in Lissabon, Porto oder an der Algarve vermeintlich perfekte Voraussetzungen.

Doch genau dieses Modell ist mittlerweile ins Wanken geraten. Das Sonderregime läuft aus, Neuzuzüger profitieren kaum noch – und gleichzeitig sind die Immobilienpreise stark gestiegen. In gefragten Küstenstädten bewegen sich Wohnungspreise inzwischen auf dem Niveau grosser westeuropäischer Metropolen. Für viele Rentnerinnen und Rentner, die mit einem fixen Budget planen, wird der Traum so schlicht unerschwinglich.

Gleichzeitig macht sich bei manchen Ernüchterung bemerkbar: Ein stärker belastetes Gesundheitswesen in bestimmten Regionen, Sprachhürden und höhere Lebenshaltungskosten dämpfen den anfänglichen Enthusiasmus. Damit werden Ziele attraktiver, die näher zur bisherigen Heimat liegen, sprachlich vertrauter wirken und ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten.

Dax: Sonne, Meeresnähe und kleinere Preise

Dax liegt im Südwesten Frankreichs und ist in rund einer halben Stunde Fahrt von der Atlantikküste aus erreichbar. Die bekannten, kilometerlangen Strände der Landes sind schnell erreicht – ebenso das Baskenland mit Orten wie Biarritz. Wer am Meer flanieren möchte, aber nicht direkt in einem teuren Küstenort leben will, findet in Dax eine ruhigere Option.

„Dax verbindet den Flair einer Kurstadt mit Nähe zum Ozean und noch moderaten Immobilienpreisen – ein Mix, der für viele Ruheständler plötzlich hochinteressant wirkt.“

Im Unterschied zum baskischen Küstenstreifen, wo die Preise in den letzten Jahren deutlich angezogen haben, liegt das Preisniveau in Dax spürbar tiefer. Auswertungen französischer Immobilienverbände zeigen, dass der Quadratmeterpreis dort teilweise nur etwa halb so hoch ist wie in stark nachgefragten Badeorten. Wer seine bisherige Stadtwohnung verkauft und mehr Platz sucht oder barrierearm wohnen möchte, kann in Dax oft mehr Wohnfläche fürs gleiche Geld erhalten.

Warum die Immobilienlage in Dax Seniorinnen und Senioren entgegenkommt

  • Günstigerer Kaufpreis: Der Einstieg fällt leichter – auch wenn das Eigenkapital begrenzt ist.
  • Attraktive Mieten: Wer nicht kaufen will, findet eher bezahlbare Mietwohnungen als an der baskischen Küste.
  • Barrierearmer Neubau: In und um Dax entstehen vermehrt Wohnanlagen, die gezielt auf ältere Menschen ausgerichtet sind.
  • Weniger Konkurrenz durch Touristen: Im Vergleich zu klassischen Ferienorten ist der Markt weniger spekulativ.

Für Seniorinnen und Senioren heisst das: Die Wohnsituation lässt sich langfristiger planen, ohne dauernd Angst vor starken Mietaufschlägen oder einem überhitzten Markt zu haben.

Ein Kurort mit Fokus auf Gesundheit

Der grösste Trumpf von Dax steckt im Wasser – genauer gesagt in den Thermalquellen und im Heilschlamm, für die die Stadt landesweit bekannt ist. Dax gilt als bedeutendste Kurstadt Frankreichs. Jährlich nutzen mehr als 60.000 Menschen die Thermen und spezialisierten Einrichtungen vor Ort, viele davon wegen chronischer Gelenk- oder Gefässerkrankungen.

Rheuma, Arthrose, Rückenbeschwerden oder Durchblutungsstörungen zählen zu den typischen Gründen, weshalb Patientinnen und Patienten in die Region kommen. Das Zusammenspiel aus warmem Thermalwasser, Schlammpackungen und medizinischer Betreuung bringt vielen eine spürbare Linderung. Für ältere Menschen, die regelmässig Kuraufenthalte benötigen, ist ein Wohnsitz direkt vor Ort daher ein sehr greifbares Argument.

„Wer in Dax lebt, hat Gesundheitsleistungen direkt vor der Haustür – statt für jede Kurreise lange Anfahrten organisieren zu müssen.“

Vorteile des Lebens in einer Kurstadt

Der Alltag in Dax ist deutlich vom Gesundheitstourismus geprägt. Für Ruheständlerinnen und Ruheständler ergibt sich daraus eine Reihe von Vorteilen:

  • hohe Dichte an Fachärztinnen und Fachärzten sowie Physiotherapiepraxen
  • Thermalbäder und Reha-Einrichtungen mit moderner Ausstattung
  • Infrastruktur, die auf Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugeschnitten ist
  • Serviceangebote wie Fahrdienste, betreutes Wohnen und Haushaltshilfen

Wer aus Mitteleuropa kommt, fühlt sich zudem häufig in einem vertrauten Gesundheitssystem wohler. Abrechnungswege, Dokumentation und medizinische Standards ähneln dem, was man aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz kennt.

Lebensqualität zwischen Adour, Pinienwäldern und Atlantik

Neben der medizinischen Komponente überzeugt Dax auch mit einer gelassenen, zugleich aber aktiven Lebensart. Die Stadt liegt am Fluss Adour, der ruhig Richtung Meer fliesst. Spazierwege, Uferpromenaden und kleine Parks laden zu täglichen Runden ein – wichtig für alle, die im Alter regelmässig in Bewegung bleiben wollen, ohne sich zu überfordern.

Die Landes sind zudem berühmt für ihre riesigen Pinienwälder. Velotouren, Nordic Walking oder leichte Wanderungen: Wer gerne draussen unterwegs ist, findet in der Umgebung viele Möglichkeiten. Und der Atlantik ist schnell erreicht – egal ob für ein paar Stunden am Meer oder für einen einfachen Strandspaziergang im Winter.

Hinzu kommen typische Elemente des südwestfranzösischen Lebensgefühls: Wochenmärkte mit regionalen Produkten, lokale Feste und eine lebendige Vereinslandschaft. Ruheständlerinnen und Ruheständler können dadurch relativ leicht Kontakte knüpfen – etwa über Sportangebote für Ältere, Sprachkurse oder Kulturvereine.

Nähe zu grösseren Städten

Dax liegt zwar nicht mitten in einer Metropolregion, ist aber gut angebunden. Mit Zug oder Auto erreichen Bewohnerinnen und Bewohner Bayonne und Biarritz, etwas weiter entfernt auch Bordeaux. Das eröffnet zusätzliche Möglichkeiten für:

  • Kultur- und Shopping-Ausflüge
  • Facharzttermine in Unikliniken
  • Besuche von Kindern und Enkeln, die mit Bahn oder Flugzeug anreisen

Auch die Distanz zur deutschen Grenze ist kleiner als von vielen Regionen Portugals aus. Wer die frühere Heimat regelmässig besuchen möchte, verbringt weniger Zeit im Flugzeug oder im Auto.

Für wen sich der Umzug nach Dax besonders lohnt

Dax passt nicht automatisch zu jeder Rentnerin und jedem Rentner. Bestimmte Gruppen profitieren jedoch besonders von den lokalen Rahmenbedingungen:

  • Senioren mit Gelenk- oder Gefaesserkrankungen: Regelmässige Kurbehandlungen lassen sich einfacher in den Alltag einbauen.
  • Paare mit begrenztem Budget: Der günstigere Immobilienmarkt ermöglicht eine komfortablere Wohnung oder ein Haus mit Garten.
  • Menschen, die nicht komplett aus Mitteleuropa weg wollen: Kulturelle und sprachliche Nähe senken die Hürde für den Schritt.
  • Aktive Ruheständler: Wer gern moderaten Sport treibt, wandert, Velo fährt oder schwimmt, findet sehr gute Bedingungen.

Gleichzeitig sollten Interessierte im Hinterkopf behalten, dass Dax keine Grossstadt ist. Wer pulsierendes Nachtleben oder dauernde Grossstadthektik sucht, ist hier falsch. Der Rhythmus ist ruhiger und oft entschleunigt – genau das, was viele nach einem langen Arbeitsleben schätzen.

Was zukünftige Auswanderer beachten sollten

Wer einen Umzug nach Dax ernsthaft erwägt, sollte verschiedene Punkte sauber abklären. Dazu zählen steuerliche Fragen, rechtliche Rahmenbedingungen und die Absicherung über die Krankenversicherung. Beratungsstellen in Deutschland und in Frankreich helfen dabei zu prüfen, welche Ansprüche bestehen bleiben und welche Formulare benötigt werden.

Praktisch ist zudem ein längerer Probewohn-Aufenthalt. Ein bis drei Monate in einer Ferienwohnung oder einer möblierten Mietwohnung vermitteln ein realistisches Bild: Wie erlebt man den Alltag? Wie gut kommt man mit dem Klima zurecht? Wie läuft der Kontakt mit Ärztinnen und Ärzten, Apotheken und Behörden?

Wer kein Französisch spricht, sollte mindestens Grundkenntnisse einplanen. Viele Dienstleister sind zwar an ältere Gäste gewöhnt, dennoch findet die meiste Kommunikation auf Französisch statt. Sprachkurse vor Ort können den Einstieg vereinfachen und helfen, schneller ein soziales Netz aufzubauen.

Thermalparadies mit Zukunftschancen

Mit seiner Konzentration auf Gesundheit, moderatem Tourismus und Ruhestandsgäste wirkt Dax insgesamt vergleichsweise stabil aufgestellt. Der Trend, dass europäische Seniorinnen und Senioren nicht nur klassische Auswanderungsländer ins Auge fassen, sondern neue Ziele prüfen, dürfte weitergehen. Steigende Lebenshaltungskosten und eine gewisse Ernüchterung nach dem ersten Auswanderungsboom führen zu neuen Entscheidungen.

Die Stadt im Südwesten Frankreichs könnte in den kommenden Jahren von dieser Entwicklung profitieren. Wer einen ruhigen, zugleich gut angebundenen Wohnort sucht, in dem Gesundheit, Meer und bezahlbares Wohnen zusammenfinden, wird Dax genauer auf der Karte betrachten – und womöglich merken, dass es dort um mehr geht als nur warmes Wasser und Heilschlamm.

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