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EU-Aktionsplan: Europäische Kommission setzt bei der Automobilindustrie auf autonomes Fahren

Weisses Elektroauto mit futurivem Design in modernem Showroom neben Ladestation und digitaler Europa-Karte.

Im Rahmen ihres Aktionsplans, um die Automobilindustrie zu «retten», hat die Europäische Kommission (EK) Innovation und Digitalisierung als eine der zentralen Säulen hervorgehoben – mit einem klaren Schwerpunkt darauf, autonomes Fahren voranzutreiben.

Nach eigenen Schätzungen der EK könnte dieser Bereich bis 2035 rund 400 Milliarden Euro erwirtschaften. Dieses Ziel zu erreichen, ist jedoch anspruchsvoll: Beim autonomen Fahren steht Europa vor mehreren Hürden, darunter ein zersplitterter Markt, restriktive regulatorische Rahmenbedingungen sowie starker Wettbewerb aus China und den USA.

„Die Technologie des autonomen Fahrens wird entscheidend sein, um die Wettbewerbsfähigkeit zu bestimmen.“
Europäische Kommission

Testfelder als Lösung

Um die Entwicklung des autonomen Fahrens in der Europäischen Union zu beschleunigen, schlägt die Kommission vor, mindestens drei gross angelegte, grenzüberschreitende Testfelder für autonome Fahrzeuge einzurichten.

Derzeit gibt es in Europa – verglichen mit China und den USA – nur wenige Möglichkeiten für Strassentests zum autonomen Fahren. Genau deshalb setzt die Kommission auf die Schaffung von Orten (Testfeldern), an denen autonome Fahrzeuge unter realen Verkehrsbedingungen unterwegs sein können.

Zusätzlich will die EK sogenannte regulatorische sandboxes einführen – also regulierte, kontrollierte Umgebungen – sowie Europäische Korridore für autonomes Fahren (European Automated Driving Corridors) auf Autobahnen.

Ein einheitlicher Markt

Diese Schritte zielen darauf ab, einen europäischen Binnenmarkt für autonomes Fahren aufzubauen – als Gegenentwurf zur heutigen Fragmentierung. Die Kommission hält fest: „Nur wenige Mitgliedstaaten haben nationale Verkehrsregeln, die es autonomen Autos erlauben, auf ihren Strassen zu fahren.“

Entsprechend will die EK den regulatorischen Rahmen zwischen den Mitgliedstaaten angleichen und zugleich vereinfachen, um insgesamt mehr Tests zu ermöglichen. Erste Schritte sollen noch in diesem Jahr erfolgen: Geplant ist eine unbefristete Zulassung von Fahrzeugen mit automatischen Parksystemen; 2026 sollen diese Zulassungen auf weitere Anwendungsfälle ausgeweitet werden.

Parallel dazu will die Kommission im nächsten Jahr klarere Regeln für Tests von Autonomen Fahrsystemen (ADS) und von Advanced Driver Assistance Systems (ADAS) im öffentlichen Strassenverkehr vorschlagen.

Neue Allianz

Mit dem Aktionsplan für die Automobilindustrie verfolgt die EK auch das Ziel, die Abhängigkeit von externen Zulieferern zu reduzieren. Dafür will sie die Gründung einer Europäischen Allianz für vernetzte und autonome Fahrzeuge (European Connected and Autonomous Vehicle Alliance) anstossen.

Diese Allianz soll die Zusammenarbeit innerhalb der europäischen Automobilbranche stärken, indem sie die Entwicklung zentraler Komponenten für autonome und vernetzte Mobilität – digitale software und hardware – teilt und beschleunigt. Laut Europäischer Kommission lassen sich mit diesem Ansatz erhebliche Ressourcen einsparen.

Die Aktivitäten der Allianz sollen sich auf mehrere Punkte konzentrieren:

  • Aufbau einer gemeinsamen software-Plattform für softwaredefinierte Fahrzeuge (software-defined vehicles)
  • Entwicklung einer Architektur für die Computersysteme softwaredefinierter Fahrzeuge
  • Entwicklung von Lösungen der Künstlichen Intelligenz für die Automobilindustrie
  • Beschleunigung des Übergangs zum autonomen Fahren (Ausarbeitung einer technologischen Roadmap)

Wie soll das finanziert werden?

Die Finanzierung dieser Vorhaben soll unter anderem über den Fonds Horizon Europe unterstützt werden, der dem Automobilsektor zwischen 2025–2027 eine Milliarde Euro zur Verfügung stellt. Hinzu kommt das Investitionsprogramm TechEU, das Innovation und industrielles Wachstum fördert und gemeinsam mit Initiativen des Europäischen Innovationsrats (EIC) wirken soll.

Darüber hinaus will die Kommission in Zusammenarbeit mit der EIB Group (Europäische Investitionsbank) sowie privaten Investorinnen und Investoren daran arbeiten, die erforderlichen Mittel sicherzustellen.

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