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Asiatische Hornisse: Flaschenfalle richtig bauen und im Frühling einsetzen

Imker hält eine mit Honig gefüllte Flasche, umgeben von Bienen und bunten Bienenstöcken im Garten.

Immer mehr Imkerinnen und Imker sowie Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner schlagen Alarm: Die asiatische Hornisse breitet sich rasant aus und setzt sowohl Bienenständen als auch Menschen stark zu. Mit einem simplen Kniff aus einer leeren Plastikflasche lässt sich der Druck dieser invasiven Art spürbar reduzieren – vorausgesetzt, Zeitpunkt und Bauart stimmen.

Warum die asiatische Hornisse so gefährlich ist

Die asiatische Hornisse wird in Europa als invasive Art eingestuft. Sie macht bevorzugt Jagd auf Honigbienen, schwächt ganze Völker und beeinträchtigt damit indirekt die Bestäubung im Obst- und Gemüsegarten. Ein grosses Nest kann aus mehreren tausend Tieren bestehen.

Wer es schafft, schon im Frühling die Königinnen abzufangen, verhindert oft gleich ein komplettes Sommernest mit tausenden Arbeiterinnen.

Genau an diesem Punkt setzt die einfache Fallenlösung an: Sie konzentriert sich auf die kurze Phase, in der die Königinnen nach der Winterruhe allein unterwegs sind und ein neues Volk aufbauen wollen. In diesen wenigen Wochen hat jedes gefangene Einzeltier eine überproportional grosse Wirkung.

Aus Abfall wird Falle: Die Flasche als Hornissenfalle

Die Basis ist denkbar simpel: eine leere Plastikflasche, wie sie etwa für Wasser oder Limonade genutzt wird. Was sonst im Kehricht landen würde, wird mit wenigen Handgriffen zur Falle für asiatische Hornissen – ohne Spezialwerkzeug und ohne nennenswertes Budget.

So funktioniert das Flaschenprinzip

Das Prinzip ist ein klassischer Trichtereffekt. Dazu trennt man den oberen Teil der Flasche ab, dreht ihn um und steckt ihn als Einlauftrichter wieder in den unteren Teil. Die Hornisse folgt dem Duft des Lockstoffs in die Flasche, findet den schmalen Ausgang später jedoch kaum mehr.

  • Der Eingang wirkt gross und „offen“.
  • Im Inneren verlieren die Insekten rasch die Orientierung.
  • Die kleine Öffnung nach draussen ist schwer wiederzufinden.

Wegen ihrer relativ grossen Spannweite und dem eher schwerfälligen Flug scheitert die asiatische Hornisse oft daran, den Weg hinaus erneut zu treffen – und bleibt so in der Falle.

Der Lockstoff: Mischung, die Hornissen anzieht, Bienen fernhält

Damit die Falle nicht wahllos nützliche Insekten anlockt, hat sich eine bestimmte Mischung bewährt. Sie spricht vor allem Hornissen und Wespen an, während Honigbienen eher Abstand halten.

Empfohlen wird ein Gemisch aus:

  • einem Drittel dunklem Bier,
  • einem Drittel Weisswein,
  • einem Drittel süssem Sirup (z.. Cassis, Himbeere oder Grenadine).

Der Weisswein übernimmt dabei eine zentrale Rolle, weil sein Geruch Bienen tendenziell abschreckt. So lässt sich die Falle stärker auf Hornissen ausrichten. Zusätzlich sollte man in die Flaschenwand kleine Auslasslöcher mit rund 5 Millimetern Durchmesser bohren: Kleinere Insekten erhalten so einen Fluchtweg und werden nicht unnötig mitgefangen.

Schritt für Schritt: Falle in fünf Minuten bauen

Für den Bau reichen ein paar Dinge, die in vielen Haushalten ohnehin vorhanden sind:

  • Plastikflasche mit 1,5 bis 2 Litern Volumen,
  • Cutter oder scharfes Messer,
  • Tacker oder starkes Klebeband,
  • eine stabile Schnur zum Aufhängen.
  1. Das obere Drittel der Flasche sauber abtrennen.
  2. Den abgetrennten Teil umdrehen, sodass der Flaschenhals nach unten zeigt.
  3. Den oberen Teil in den unteren Flaschenbereich einsetzen und mit Tackernadeln oder Klebeband befestigen.
  4. Seitlich im unteren Bereich zwei bis drei Löcher mit etwa 1 Zentimeter Durchmesser bohren – das sind die Haupteingänge.
  5. Innen rund um den Flaschenhals eine Reihe kleiner Löcher von etwa 5 Millimetern als Fluchtöffnungen für kleine Insekten anbringen.
  6. Lockstoff einfüllen, Flasche schliessen und an der Schnur aufhängen.

Mit etwas Routine ist die Konstruktion in wenigen Minuten erledigt. Kosten fallen praktisch keine an, weil vor allem vorhandenes Material verwendet wird.

Der richtige Ort und Zeitpunkt für die Falle

Ob die Methode funktioniert, hängt stark von Standort und Einsatzdauer ab. Wer Fallen wahllos den ganzen Sommer hängen lässt, richtet eher Schaden an der heimischen Insektenwelt an.

Idealer Standort im Garten

Die Falle sollte:

  • in 1 bis 2 Metern Höhe hängen,
  • an einem halb schattigen oder schattigen Ort platziert sein,
  • nicht direkt an Wegen von Kindern oder Haustieren hängen,
  • gut sichtbar bleiben, damit man sie kontrollieren kann.

Geeignet sind beispielsweise Bäume am Grundstückrand, eine Gartenlaube oder ein Pfosten in etwas Abstand zum Bienenstock.

Kurzes Zeitfenster, grosse Wirkung

Als besonders wirksam gilt die Zeit von Mitte Februar bis ungefähr Ende Mai. Dann verlassen überwinterte Königinnen ihre Verstecke und suchen einen Platz für das erste, kleine Frühjahrsnest.

Wer in diesem Zeitfenster fängt, erwischt vor allem allein fliegende Königinnen – und verhindert damit ganze Völker, bevor sie entstehen.

Später im Frühling und im Sommer ist die Situation anders: Dann sind vermehrt Arbeiterinnen der asiatischen Hornisse unterwegs, gleichzeitig aber auch viele einheimische Wespen und die europäische Hornisse. Fallen, die zu lange hängen bleiben, fangen dann überproportional häufig nützliche Arten.

Darum raten Fachleute dazu, die meisten Fallen um den 1. Mai wieder abzunehmen oder mindestens deutlich zu reduzieren.

Umgang mit gefangenen Hornissen und gefundene Nester

Beim Entsorgen der Falle ist Vorsicht angebracht. Die asiatische Hornisse kann schmerzhaft stechen; für Personen mit Allergien ist das Risiko besonders hoch.

  • Die verschlossene Flasche für rund 24 Stunden in den Gefrierschrank legen.
  • Danach den Inhalt entsorgen, zum Beispiel über den Restmüll.
  • Die Flasche bei Bedarf ausspülen, eine neue Lockstoffmischung einfüllen und wieder aufhängen.

Wer ein Nest findet – sei es ein kleines „Primärnest“ im Frühling oder später ein grosses Kugelnest in Bäumen oder an Gebäuden – sollte keinesfalls selbst Hand anlegen. Die Tiere verteidigen ihr Nest aggressiv, und die Anzahl der Hornissen im Innern wird häufig unterschätzt.

Empfohlen wird, den Fund der zuständigen Gemeinde zu melden oder eine zertifizierte Schädlingsbekämpfung zu beauftragen. In vielen Regionen existieren bereits Melderegister, um die Ausbreitung zu dokumentieren.

Biodiversität schützen: Fallen bewusst einsetzen

Die asiatische Hornisse ist nicht das einzige Insekt, das süsse Lockstoffe attraktiv findet. Gerade Wespen, Fliegen oder auch Käfer reagieren ebenfalls darauf. Wer den Garten nicht in eine Dauerfalle verwandeln will, beschränkt die Anzahl der Fallen und hält die Einsatzzeit so kurz wie möglich.

Die kleinen Auslasslöcher von fünf Millimetern tragen dazu bei, nützliche Kleininsekten wieder entkommen zu lassen. Dennoch bleibt jede Falle ein Eingriff ins natürliche Gleichgewicht. Bienen- und Landwirtschaftsverbände empfehlen deshalb gezielte, zeitlich begrenzte Massnahmen statt dauerhafte Massenfallen über den ganzen Sommer.

Warum sich der Aufwand für Imker und Hobbygärtner lohnt

Für Imkerinnen und Imker steht deutlich mehr auf dem Spiel als nur die Honigernte. Wird ein Bienenvolk durch den ständigen Druck der asiatischen Hornisse geschwächt, steigt die Anfälligkeit für Krankheiten, und die Überwinterung gelingt schlechter. Auch Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner spüren die Folgen direkt: weniger Bestäubung und damit schlechtere Erträge bei Obst, Beeren und Gemüse.

Schon wenige selbst gebaute Flaschenfallen in der Umgebung eines Bienenstandes oder eines stark blühenden Gartens können den Druck im Sommer spürbar senken. Ideal ist es, wenn sich Nachbarinnen und Nachbarn absprechen und eine grössere Fläche abdecken – dann sinkt die Chance, dass sich überhaupt grössere Nester etablieren.

Praktische Hinweise für den Alltag im Garten

Wer unsicher ist, ob es tatsächlich die asiatische oder doch die europäische Hornisse ist, versucht am besten ein Foto zu machen und dieses mit offiziellen Merkblättern abzugleichen. Die asiatische Art wirkt meist dunkler, mit deutlicher gelb-oranger Zeichnung am Hinterleib und an den Beinen.

Hilfreich ist zudem eine einfache Routine:

  • Einmal pro Woche die Falle kontrollieren und den Zustand des Lockstoffs prüfen.
  • Bei starken Hitzeperioden den Lockstoff alle paar Tage erneuern, weil er schneller verdirbt.
  • Ab Anfang Mai regelmässig entscheiden, ob die Falle noch sinnvoll ist oder entfernt werden sollte.

Wer Kinder im Haushalt hat, erklärt am besten früh, die Falle nicht anzufassen und Abstand zu halten. Sichtbare, stabil befestigte Aufhängungen senken zudem das Risiko, dass das Gefäss versehentlich heruntergerissen wird.

Die Methode mit der Plastikflasche ersetzt keine umfassende Strategie gegen die asiatische Hornisse, kann aber ein wichtiger Baustein sein. Zusammen mit Meldesystemen für Nester, einem wachsamen Blick im Garten und besserer Aufklärung über invasive Arten entsteht nach und nach ein wirksamer Schutzschirm – nicht nur für Bienen, sondern für das gesamte Gartenökosystem.

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