Die Vermutung hat sich bestätigt: Einen CUPRA Ibiza wird es nicht geben. Damit übernimmt der SEAT Ibiza FR die Rolle der «würzigeren» Ausführung des spanischen Kleinwagens – und zwar mit dem eher zurückhaltenden 1.0 TSI mit 115 cv. Ja, selbst der 1.5 TSI mit 150 cv wird in Portugal nicht angeboten…
Nachdem wir den Ibiza bereits mit dem 1.6 TDI mit 95 cv gefahren sind, war es nun Zeit, die stärkste Variante des SEAT Ibiza FR unter die Lupe zu nehmen: 115 cv in Kombination mit DSG.
Optisch gefällt mir der Ibiza nach wie vor. Das Design wirkt nüchtern und erwachsen. In der FR-Version kommen sportlichere Akzente dazu – etwa die 18”-Felgen, sportliche Stossfänger oder die doppelte Auspuffendrohr-Optik –, ohne dass der Ibiza dabei übertrieben auffällig oder zu stark dekoriert wirkt.
Im Innenraum des SEAT Ibiza FR
Zum Interieur habe ich im Grunde schon alles gesagt, was es zu sagen gibt – in früheren Tests anderer Ibiza-Varianten, sowohl mit Dieselmotor als auch mit GNC-Antrieb.
Trotzdem (auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen) muss ich die Ergonomie hervorheben, das einfach zu bedienende Infotainment mit guter Darstellung sowie den insgesamt soliden Eindruck, den der Innenraum vermittelt.
Beim Platzangebot bleibt der SEAT Ibiza FR ein Massstab im Segment: Er gehört zu den grösseren Modellen im B-Segment und bietet genügend Raum, damit vier Erwachsene bequem reisen können. Und der Kofferraum mit 355 Litern stellt sogar manche Angebote aus der nächsthöheren Klasse in den Schatten.
Am Steuer des SEAT Ibiza FR
Nach dem statischen Eindruck geht es jetzt um das, was bei der stärksten Ibiza-Variante wahrscheinlich am meisten interessiert: das Fahrverhalten.
Beim Handling zeigt sich der Ibiza FR sicher, gut kalkulierbar und effektiv. Die sportlicher abgestimmte Federung hilft ihm dabei, auch dann stabil «auf der Strasse» zu bleiben, wenn man das Tempo anzieht. Gleichzeitig bleibt der Komfort an Bord auf einem guten Niveau, sobald man wieder entspannter unterwegs ist.
Die Lenkung passt ebenfalls: Sie ist angenehm gewichtet, reagiert direkt und arbeitet präzise. In diesem Punkt rückt der Ibiza FR überraschend nahe an Referenzen wie den Hyundai Kauai heran.
Und dann der Motor: Mit vier wählbaren Fahrmodi („Eco“, „Sport“, „Normal“ und „Individual“) kann der Ibiza FR je nach Einstellung unterschiedliche «Charaktere» annehmen – vor allem, weil die Gasannahme in jedem Modus anders abgestimmt ist.
Im Modus „Eco“ schaltet das Getriebe früher hoch (manchmal vielleicht sogar zu früh), die Reaktion aufs Gas wirkt spürbar gedämpfter, und man profitiert von einer klaren „Segel“-Funktion der Getriebeabstimmung – das ist ohne Zweifel das stärkste Argument für „Eco“.
Im Modus „Sport“ wird die Gasannahme deutlich spontaner, als würden alle 115 cv sofort wach. Gleichzeitig steht die volle Kraft der 200 Nm bereit, was den Antrieb stellenweise sogar kräftiger wirken lässt. So kann man nicht nur zügiger fahren, sondern auch Überholmanöver souveräner angehen, ohne zwingend manuell eingreifen zu müssen (die DSG lässt sich zudem über Schaltwippen am Lenkrad bedienen).
In dieser Einstellung hält die siebengängige DSG den gewählten Gang länger, bevor sie hochschaltet. Der Dreizylinder dreht willig und mit überraschender Freude in höhere Bereiche des Drehzahlmessers – und ausgerechnet dort scheint er sich am wohlsten zu fühlen, denn bei tiefen Drehzahlen spürt man eine gewisse «Atemnot».
Beim Verbrauch lagen meine Testwerte insgesamt zwischen 6,0 und 6,4 l/100 km – und das ohne besondere Sparbemühungen, inklusive einiger Passagen, in denen ich die Möglichkeiten des SEAT Ibiza FR bewusst etwas intensiver ausgelotet habe.
Ist das das richtige Auto für mich?
Nachdem ich den Ibiza inzwischen mit allen verfügbaren Motorisierungen gefahren bin, kann ich SEAT nur gratulieren. In der fünften Generation wirkt der spanische Kleinwagen reifer denn je. Seine stärksten Trümpfe sind vor allem sachliche Argumente wie das Raumangebot und die Ausstattung, womit er sich als ernsthafte Option im Segment positioniert.
Gegen Konkurrenten wie den Opel Corsa GS Line, Peugeot 208 GT Line oder den Renault Clio RS Line 1.3 TCe hat der SEAT Ibiza FR allerdings beim Thema Leistung das Nachsehen – alle drei bringen 130 cv mit und setzen auf 1.2- bzw. 1.3-Motoren, während der Spanier bei 115 cv aus dem kleineren 1.0 TSI bleibt. Dafür punktet der Ibiza klar bei der Innenraumgrösse.
Preislich spielen sie hingegen in einer sehr ähnlichen Liga. Und weil der Leistungsunterschied zu den Rivalen klein, aber spürbar ist, hilft diese Nähe beim Preis dem SEAT Ibiza FR nicht wirklich.
Sauber verarbeitet, (sehr) geräumig und gut ausgestattet: Der SEAT Ibiza FR ist eine überzeugende Wahl für alle, die ein Modell mit sportlicherer Optik möchten, gleichzeitig aber familiäre Verpflichtungen haben oder schlicht Platz brauchen – mehr als ein klassischer Kleinwagen, fast schon ein kleiner Familienwagen…
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