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Brasilianische Luftwaffe (FAB) fliegt erste Luftverteidigungs-Alarmmission mit F-39E Gripen

Kampfjet am Boden mit geöffnetem Cockpit, Pilot in Fluganzug steigt ein, Techniker mit Schutzweste daneben.

Die Brasilianische Luftwaffe (FAB) hat in ihrer operativen Geschichte einen weiteren Meilenstein erreicht: Erstmals wurde eine Luftverteidigungs-Alarmmission mit den modernen Kampfflugzeugen F-39E Gripen durchgeführt. Der Einsatz erfolgte von der Luftwaffenbasis Anápolis (Brasilien) aus und markiert einen wichtigen Schritt in der Festigung dieses Waffensystems, nachdem die volle Einsatzbereitschaft erreicht worden ist. Damit unterstreicht die FAB ihre abschreckende Wirkung und zeigt die Reife eines strategischen Programms, das die nationale Souveränität stärken und die brasilianische Kampffliegerei modernisieren soll.

Erster Einsatz des F-39E Gripen im 24/7-Luftverteidigungs-Alarmdienst

Geplant und geführt wurde der Auftrag durch das Comando de Operações Aeroespaciais (COMAE). Die Umsetzung lag beim Primeiro Grupo de Defesa Aérea (1º GDA) „Jaguar“, der für Luftverteidigungsoperationen und den Schutz der Bundeshauptstadt zuständig ist. Dazu betonte Oberstleutnant (Aviator) André Navarro de Lima Guimarães, Kommandant der Luftwaffenbasis Anápolis: „Der F-39 beginnt den Alarmdienst der brasilianischen Luft- und Raumfahrtverteidigung. Er ist bereit, innerhalb von Minuten zu starten, wenn er aktiviert wird, und garantiert die grundlegende Mission unserer Streitkräfte: die Verteidigung der Souveränität des nationalen Luftraums.“

Der Alarmdienst läuft 24 Stunden am Tag und das ganze Jahr über und folgt einem Sofortreaktions-Protokoll, sobald ein Luftfahrzeug die Regeln des Luftverkehrs missachtet. Laut Oberstleutnant (Aviator) Gustavo de Oliveira Pascotto, Einsatzkoordinator der BAAN, bleiben die Piloten ausgerüstet und jederzeit verfügbar: Sie führen Kurzchecks der Systeme durch, nehmen Verbindung zu den Kontrollzentren auf und bringen das Flugzeug so in einen Zustand, dass der Start innerhalb weniger Minuten erfolgen kann. Dass der F-39 diese kritische Rolle nun übernimmt, gilt als Nachweis für die Systemreife und die vollständige Interoperabilität mit den Luftverteidigungsnetzen des Landes.

Technische Meilensteine 2025 bis zur Capacidade Operativa Plena (FOC)

Die Einbindung des Gripen E in Luftverteidigungsaufgaben wurde möglich, nachdem im Verlauf von 2025 mehrere technische Etappen erfolgreich abgeschlossen wurden, die seine Capacidade Operativa Plena (FOC) bestätigten. Dazu zählten insbesondere die Integration des Luftbetankungssystems mit den KC-390 Millennium, der erste Abschuss eines weitreichenden Luft-Luft-Lenkflugkörpers MBDA Meteor sowie das erste Schiesstraining mit der 27-mm-Bordkanone Mauser BK-27. Zusammengenommen belegten diese Nachweise, dass der F-39E Langstreckenaufträge durchhalten kann, Bedrohungen jenseits der Sichtweite (BVR) erkennt und neutralisiert und sich in realitätsnahen Kampfszenarien bewährt.

Anfang 2026 wurde das Einsatzspektrum durch die Kampagne Operação Thor weiter ausgebaut, indem sowohl der Abwurf von gelenkten Bomben als auch von Freifallbomben validiert wurde.

Operação Thor in Natal: Luft-Boden-Bewaffnung, FARP und Betankung mit KC-390 Millennium

Im Rahmen der Operação Thor, die auf der Luftwaffenbasis Natal stattfand, bestätigte der experimentelle Gripen FAB 4100 unter Aufsicht des Instituto de Pesquisas e Ensaios em Voo (IPEV) erfolgreich die Auslösung von Luft-Boden-Bewaffnung. Die Kampagne wurde gemeinsam mit Saab koordiniert und machte Brasilien zum ersten Betreiber weltweit, der Bomben Mk-84 sowie die lasergelenkte Lizard 500 von einem Gripen aus abwarf. Die Tests wurden in Echtzeit überwacht; dabei wurden sowohl die Flugstabilität als auch die Präzision der Waffenabgabe unter unterschiedlichen Flugbedingungen überprüft.

Ergänzend dazu bestätigten die Bodenbetankung über das Verfahren FARP (Forward Arming and Refueling Point) sowie die Zertifizierung der Luftbetankung mit dem KC-390 Millennium, die im Rahmen der Operação Samaúma durchgeführt wurde, die vollständige Interoperabilität beider Plattformen. Dadurch werden Autonomie und strategische Reichweite des Kampfflugzeugs weiter erhöht.

Mit dem vollständig in das System der Luft- und Raumfahrtverteidigung integrierten F-39 Gripen erreicht die Brasilianische Luftwaffe ein neues Niveau an operativer Leistungsfähigkeit und strategischer Abschreckung. Das Programm, hervorgegangen aus dem Projeto F-X2, modernisiert nicht nur die nationale Luftverteidigung, sondern fördert auch einen breiten Transfer von Technologie und Know-how in die brasilianische Industrie. Nachdem sämtliche Zertifizierungsphasen erfolgreich durchlaufen wurden – von den Meteor-Abschüssen und den Kanonenschiesstrainings über die Operação Thor bis zu den Tests der Luft- und Bodenbetankung – etabliert sich der Gripen E als zentrale Säule der Luftmacht Brasiliens.

Bildnachweis: Brasilianische Luftwaffe.


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