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Peugeot Polygon Concept: So kündigt er den neuen 208 mit Steer-by-Wire und Hypersquare an

Weisser Polyon-01 Elektroauto-Prototyp in modernem, hellem Ausstellungsraum mit Glasfront.

So einen Peugeot hat man bisher noch nicht gesehen: Er heisst Polygon Concept und gibt bereits einen sehr konkreten Ausblick auf die nächste Generation des 208, die im Laufe des kommenden Jahres enthüllt werden soll.

Beim radikalen Auftritt bleiben kaum Fragen offen. Der Polygon Concept will aussen wie innen bewusst provozieren – und wirkt dabei, als hätte Peugeot das sprichwörtliche Rad neu erfunden. Genau genommen: das Lenkrad.

Die Botschaft dahinter ist unmissverständlich: Schluss mit dem Alten, volle Konzentration auf das, was kommt. Auf dem Papier klingt das ambitioniert – doch wir haben diesen Prototypen in Portugal aus der Nähe erlebt und waren überrascht, was er alles in Aussicht stellt.

Das Rad neu erfinden: Polygon Concept

Der Polygon Concept ist weit mehr als eine Designstudie mit bewusst unkonventioneller Optik. Peugeot versteht ihn als rollendes Labor – als funktionsfähigen Technologieträger, mit dem Lösungen erprobt werden, die ab 2027 schrittweise in Serienmodelle der Marke einfliessen sollen.

Eine dieser Technologien zwingt dazu, ein besonders klassisches Bauteil des Autos grundsätzlich neu zu denken: die Lenkung. Peugeot will das Steer-by-Wire-Prinzip in breitere, populärere Segmente bringen. Dabei entfällt die mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Vorderrädern vollständig.

Erstmals eingeführt wurde Steer-by-Wire 2013 von Infiniti im Q50; auch Mercedes-Benz und Saab haben damit experimentiert. Im Alltag ist das System derzeit allerdings nur in wenigen Fahrzeugen zu finden: im Tesla Cybertruck, im Lexus RZ und im NIO ET9. Nun testet Peugeot diese Technik ebenfalls – und sie soll, erstmals für die Marke, im kommenden 208 debütieren. Kombiniert wird sie mit dem neuen, rechteckigen Bedienelement Hypersquare, das das klassische Lenkrad ersetzt.

Das Hypersquare fällt nicht nur durch seine ungewöhnliche Form auf. Es integriert ausserdem vier taktile Pods (nein, das sind keine Getränkehalter …), über die während der Fahrt verschiedene Funktionen bedient werden können.

Zum Steer-by-Wire-System selbst lohnt ein Blick auf die Entwicklung: Lexus hat – gemeinsam mit einem externen Zulieferer – 10 Jahre benötigt, um diese Technik in ein Serienfahrzeug zu bringen. Das zeigt, wie komplex die Umsetzung tatsächlich ist.

Bei der Vorstellung des Polygon Concept in Portugal haben wir einen Peugeot-Ingenieur gefragt, wie lange die Entwicklung dieser Lösung gedauert hat. Eine konkrete Zahl nannte er nicht, betonte aber, dass es deutlich weniger als die 10 Jahre waren, die der japanische Hersteller benötigte – auch wenn derselbe Zulieferer, der für Lexus gearbeitet hat, ebenfalls eng mit der Löwenmarke zusammengearbeitet haben soll.

Was ändert sich an der Lenkung des Polygon?

Weil es keine physische Verbindung zwischen Bedienelement und Rädern gibt, soll sich das Fahrgefühl – so Peugeot – unmittelbarer und involvierender anfühlen. Möglich werde das durch den Wegfall von Reibung und Verzögerungen, wie sie bei klassischen Systemen auftreten.

Das Feedback kommt dabei ausschliesslich elektronisch, soll aber so abgestimmt sein, dass die Rückmeldung von der Fahrbahn erhalten bleibt – während unerwünschte Vibrationen herausgefiltert werden. Zumindest lautet so das Versprechen der Marke.

Ein weiterer Vorteil: Die Charakteristik der Lenkung lässt sich je nach Situation anpassen. Auf der Autobahn wünscht man sich beispielsweise eine ruhigere, weniger direkte Lenkung, die Stabilität priorisiert. Auf kurvigen Strassen hingegen ist eine schnellere Übersetzung mit grösseren Lenkwinkeln an der Vorderachse gefragt.

Theoretisch ist das die Zukunft der Lenkung. Ob es sich in der Praxis genauso anfühlt, wird sich zeigen – in zwei Jahren, wenn wir diese Technik in einem Serienauto der französischen Marke testen können.

Polygon Concept: bereit für die Zukunft

Ein zentrales Thema beim Peugeot Polygon ist die Personalisierung: Nahezu alles lässt sich nach Geschmack konfigurieren – von den Materialien im Innenraum über die Ambientefarben an Bord bis hin zu den Felgen und sogar zum Hypersquare selbst.

Die gesamte Gestaltung basiert auf modularen Bauteilen, die sich in wenigen Minuten einsetzen und austauschen lassen. Selbst die Reifen – entwickelt von Goodyear – sind Teil dieser Idee: Ihre Seitenwände werden per Laser graviert, sodass sich je nach Fahrmodus unterschiedliche Muster und Farben kombinieren lassen.

Doch damit nicht genug: Mit dem Polygon Concept unterstreicht Peugeot auch den Anspruch auf Nachhaltigkeit und Zirkularität in künftigen Modellen. Deshalb kommen bei Struktur und Innenraum dieses Prototyps verschiedene Recyclingmaterialien zum Einsatz.

Der Kabinenboden und die Verkleidungspaneele sind mit geschmiedeten Textilien bezogen, die aus Sitzbänken früherer Peugeot-Modelle gewonnen wurden; die Sitze entstehen via 3D-Druck aus recyceltem Kunststoff (R-PET); und für die Innenlackierung werden Pigmente verwendet, die aus Altreifen am Ende ihres Lebenszyklus stammen.

Mehr als nur ein radikales Stil-Statement ist der Polygon Concept damit ein Manifest dessen, wie Peugeot das Auto der Zukunft versteht. Ob die französische Marke damit Recht behält, wird erst die Zeit zeigen. Sicher ist allerdings schon jetzt: Gleichgültig lässt dieser Prototyp niemanden.


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