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Italien bestaetigt die Integration der Bayraktar TB3 auf dem Flugzeugtraeger Cavour

Zwei Soldaten überprüfen ein Drohnenflugzeug auf dem Deck eines Flugzeugträgers bei Tageslicht.

Der italienische Flugzeugträger Cavour der italienischen Marine (Marina Militare) und die türkischen Bayraktar-TB3-Drohnen rücken in einem wichtigen Schritt für die europäische Marinefliegerei zusammen: Italien hat bestätigt, dass das TB3-System künftig auf seinem zentralen Träger zur Machtprojektion integriert werden soll. Bekannt gegeben wurde der Entscheid von Vizeadmiral Berutti Bergotto bei seinem Auftritt am 25. März vor dem Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung des italienischen Senats. Er erklärte, die Beschaffung solle über Leonardo erfolgen – gestützt auf eine unterzeichnete Kooperationsvereinbarung mit dem türkischen Hersteller Baykar. Der Offizier ergänzte, dass die Plattform von der Cavour aus operieren und sowohl Überwachungs- als auch bewaffnete Einsätze durchführen könne.

In seinen Ausführungen im Parlament präzisierte Vizeadmiral Bergotto, dass die Marina Militare die Einführung der TB3 vorantreibt. Dabei handelt es sich um ein unbemanntes Kampfflugzeug (UCAV) von Baykar, das speziell für den Betrieb von Kurzdeck-Flugzeugträgern konzipiert wurde. Die Einbindung laufe über Leonardo, so Bergotto; die Plattform könne jedoch auch über LBA Systems bezogen werden – ein Joint Venture von Leonardo und Baykar. Diese Bestätigung gilt als bislang deutlichstes Signal, dass Italien ein UCAV mit Starrflügeln in seine eingeschiffte Luftkomponente aufnehmen und damit bemannte Flugzeuge sowie Helikopter ergänzen will.

Mit diesem Schritt würde Italien zum ersten europäischen Kunden der Bayraktar TB3. Die TB3 ist eine marinisierte Variante der Bayraktar TB2, die in mehr als 30 Länder exportiert wurde. Ausgelegt ist die TB3 für Einsätze von leichten Trägern und Schiffen mit verkleinertem Flugdeck, was sie für expeditionäre Missionen als realistische Option positioniert. Zuvor war Indonesien als erster internationaler Nutzer des Modells genannt worden, nachdem es sowohl landgestützte als auch schiffsgestützte Varianten beschafft hatte – ein Hinweis auf das wachsende weltweite Interesse an trägerfähigen UCAVs.

In die Entwicklung der TB3 fliessen klappbare Tragflächen, ein verstärktes Fahrwerk und auf maritime Umgebungen angepasste Systeme ein; dies optimiert den Einsatz auf Flugzeugträgern wie der türkischen TCG Anadolu. Während der NATO-Übung Steadfast Dart 2026 operierten TB3 von diesem Schiff aus und zeigten Fähigkeiten in den Bereichen Aufklärung, Überwachung und Erkundung (ISR) sowie zusätzlich Schlagfunktionen. Eine Integration eines vergleichbaren Systems auf der Cavour würde für die italienische Marine einen Fortschritt bedeuten – zumal sie bereits F-35B-Flugzeuge mit kurzem Start und vertikaler Landung (STOVL) betreibt.

Die von Vizeadmiral Bergotto vorgetragene Darstellung stand zugleich im grösseren Kontext der Stärkung des italienischen Portfolios an unbemannten Systemen. Bereits heute setzt der Dienst ScanEagle-UAV auf Fregatten der FREMM-Klasse ein und hat kürzlich eine Drohne mit vertikalem Start und vertikaler Landung (VTOL) mit der Bezeichnung „Revolution“ eingeführt, entwickelt von General Defence. Laut dem Marinechef kann dieses System eine sekundäre Drohne mitführen, die als Loitering Munition fungiert – was die Aufklärungs- und Schlagfähigkeit von Überwassereinheiten erweitert.

Ein weiterer Kernpunkt der künftigen TB3-Einführung auf der Cavour ist die industriepolitische Zusammenarbeit zwischen Italien und der Türkei. Baykar und Leonardo verfügen über ein Abkommen, das gemeinsame technologische Entwicklung sowie die Vermarktung des Systems in Europa erleichtern soll. Diese Verbindung verschafft Italien Zugang zu einer Plattform, die Autonomie, trägergestützten Betrieb und den Einsatz präzisionsgelenkter Munition kombinieren kann – und damit die Flexibilität der eingeschifften Luftgruppe erhöht.

Als einschlägiger Präzedenzfall gilt die Übung Seawolf-II/2025 (DENİZKURDU-II 2025) der türkischen Seestreitkräfte: Dort führten zwei Bayraktar TB3 Schlagtests von der TCG Anadolu aus durch und setzten dabei MAM-L-Munition ein. Diese Vorführung unterstrich das Potenzial der Drohne für maritime Missionen und bestätigte ihre operationelle Reife. Die spätere Übernahme dieser Fähigkeit auf dem Flugzeugträger Cavour wird Italiens Übergang zu einem kombinierten Modell der Marinefliegerei verstärken – mit bemannten und unbemannten Mitteln, die die ISR-Reichweite ausdehnen und die Schlagfähigkeit verbessern können.

Bilder dienen der Illustration.

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